Dienstag, 12. März 2019

Guter Mensch, gutes Leben..guter Schlaf!


Friedrich Nietzsche lässt Zarathustra sagen, moralisches Handeln, also so zu handeln wie es andere erwarten oder aber auch wie man es selbst von sich verlangt, wie man eben handeln soll, das würde der Mensch nur für sein Gewissen machen.
Am Ende dafür, dass er gut schläft, ruhigen Gewissens.
Elias Canetti sprach mal im Interview mit Adorno zum Thema "Masse und Macht" vom Gefühl, wenn man einen anderen Menschen überlebt. Ich verstehe es so, dass der Mensch im biologischen Kern doch überleben will, jedes morgentliche Erwachen ist ein Zeichen dafür, und bloß die Zivilisation ein hemmendes Mittel im brutalen Wettkampf ist.
Angst und Scham vor den anderen als Antrieb des Guten? Das gute Bestreben bloß Heuchelei zum Schein? Oder geschieht das wahre Gute aus Liebe?
Das ist doch alles spannend!
Ein Krieg, wer der bessere Mensch ist!
Es ist doch schon unmoralisch, anderen reinzureden, nur weil man glaubt, man könne sie retten oder bekehren.
Jeder ist begrenzt, weil er in seinem Körper gefangen ist!  
Ob Klimawandel, Kohleausstieg, Plastikvermeidung, Tierschutz, vegane Ernährung, Verbrennungsmotoren, Feminismus, alle Fragen über Gerechtigkeit und das richtige Leben(=das gute Leben?) zielen doch auf die Zeit ab, in der der Mensch wach ist und eben in seiner Freiheit bewusst Entscheidungen trifft, tut, macht und handelt.

Es dreht sich das ganze Leben eigentlich nur um die Zeit, wo man wach ist und angeblich lebt. Dabei könnte man im Schlaf, ich denke an den Traum, doch viel freier und lebendiger sein. Freier als im Leben, sorry, nicht Leben(Schlafen und Träumen sind ja Teile des Lebens) sondern im Wachen, wo man sogar noch physikalischen Gesetzen unterworfen ist.
Jeder weiß, dass man im Schlaf nicht nur liegen, sondern auch fliegen kann. 
Die Nachrichten und die Medien berichten doch eigentlich nur, was geschieht, wo Menschen wach sind und wo sie etwas machen.
Aber wer berichtet über das Schlafen?
Es wird überlegt, was ein gutes Leben bedeutet, ein erfülltes, ein gelingendes, ein glückliches - aber könnte Schlaf nicht auch mehr sein als erholsam? 
Ich hatte neulich mal über "gutes Schlafen" gegoogelt, fand allerdings nichts Spannendes.
Ich suchte nicht nach einer Moralvorgabe, mit wem ich schlafen darf oder nach einer Anleitung wie ich zu einer geteilten Nacht komme.
Auch wollte ich keine Ratschläge, wie man zu gutem Schlaf kommt, wobei die Auswertungsbögen des eigenen Schlafs schon ganz interessant aussahen.
Zu viel Schlaf solle ähnlich schlecht sein, unerholsam, wie zu wenig Schlaf. 6-8 Stunden wären gut. 
Vorher am besten kein Bildschirmlicht und stattdessen Spazieren gehen.
Mein unbefriedigendes Fazit: Guter Schlaf wird über die Schlafdauer gemessen. Wie lange war der Schlaf? Wie oft ist man aufgewacht? Ok, es wird interessanter, wenn die Tiefschlafphase wichtiger sein soll als bloß die Gesamtschlafzeit.
Ich bin einfach immer misstrauisch gewesen, wie diese Schlafzeiten gleich guten oder gesunden Schlaf bedeuten können.
Es klang für mich immer nach "Quantität vor Quantität", dass der Schlafinhalt aber keine Rolle spiele.
Also das finde ich schön, dass die Tiefschlafphase als wissenschaftlich(EEG, Gehirnwellen) nachvollziehbare Sache doch bedeutender ist als bloß irgendeine Gesamtschlafzeit.
Mich hätten mehr Gedanken dazu interessiert, was guten Schlaf ausmacht.
Und mehr über die Auswirkungen.
Ja, und wie Schlaf, wirklich als Schlaf genutzt, mehr sein kann als nur Erholung.
Erholung von was? Das Gehirn erholt sich? Biologisch wie und von was? 
Ich denke erst mal, wenn man tags aktiv war, körperlich und/oder geistig, schläft man bestimmt besser. 

Der Schlaf nimmt so viel Lebenszeit ein.
Ihn kaputt zu arbeiten oder zu verkaufen fände ich ein bisschen schade.
Schlaf nicht, aber Träume als Bilder könnten sich ja sogar verkaufen lassen, als Film. Ich meine, es war die Psychologie heute Zeitschrift, da hatten sie mal Studienteilnehmern Bilder gezeigt und die Verarbeitung im Kopf daruf aufgezeichnet.
So konnten später Träume, wie mit einem Wörterbuch, zurück in Bilder fürs Außen übersetzt werden.
Ach irgendwie überhaupt schade, dass das Unterbewusstsein und die Traumdeutung gegen andere Disziplinen/Methoden(z.B. Verhaltenstherapie) irgendwie in Verruf gekommen sind.

Früher zu Schulzeiten, erinnere ich mich, hatte ich manchmal noch Sorge um genug Schlaf und guckte auf die Uhr, wie viel Zeit noch zum Aufstehen bleibt.
Heute bin ich entspannter und schlafe einfach, wenn ich müde bin. Wenn ich richtig müde, wird mein stärkster Wille machtlos. Und ich lebe nach dem Placeboeffekt, was ich auch aufs Schlafen anwende. Ich glaube, dass wenn ich stark müde bin und dann einschlafe, weniger Schlaf brauche als sonst, weil ich dafür durch die starke Ermüdung tiefer in den Schlaf falle. Also weil ich qualitativer schlafe, fester, ermüdeter, tiefer, so bin ich schneller fertig damit. Das ist meine eigene Schlafstheorie.
Ich schlafe wie ich lerne. Was wichtig ist, weiß der Kopf und er wird es speichern. 
Und wenn ihm der Tag zu viel wird, macht er das Licht aus.
Es ist vorher natürlich entscheidend, was denn ins Bewusstsein gedrungen ist.
Was man nicht bewusst(trendy Synonym: achtsam) wahrgenommen hat, kann ja auch nicht drin bleiben, denn es kam nie rein.) 
Ich glaube aber, was einmal bewusst wahrgenommen wurde, ist schon irgendwo gespeichert.
Lernen ist allerdings, finde ich, wenn aus dem Wahrgenommenen und nur Gespeicherten noch neue Erkenntnisse gewonnen werden. (Obwohl jede neue Wahrnehmung ja schon etwas neu Erkanntes ist..)

Mehr Wissen übers Schlafen, mehr Aspekte, Zusammenhänge, mehr Medienpräsenz und Öffentlichkeitswirksamkeit wäre doch cool.

------
Arbeit
Politik
Vegan
Rechtsruck
Demokratie
Angst
Stress
Unsicherheit

mit wem man schlafen darf und wie man dazu kommt


Schlaf, guter Schlaf

Gutes Leben

schlafzeit
newton 5std

qualität vor quantität
---
notizen thema schlaf:
babys schlafen so 13 -  16 stunden im 4std takt,(schlaf fur reife und entwicklung)
schlaf wichtig fürs gehirn

schlaf ist keine verschlafene zeit

schutz-und wehrlos im schlaf

welche tiere schlafen nicht
giraffe 2std, 5std, elefanten auch
schlaf beim hund

gut für immunsystem und entgiftung

energiesparend, körpertemp.  1 grad gesenkt

neurobiologie schlaf
schlafphasen, gehirnlevel, eeg wellen
4 nonrem, 1 rem, ca 90min,5mal


informationen vom hippocampus in den neocortex, gedächtnis 


delfine schlafen nur mit einer hirnfälte, denn sie müssen ja luft holen
manche vogel schlafen auch im flug, immer mit einem auge wenige minuten 

keiner schläft so tief wie der mensch

frühere anpassung,
vieles ist an tag und nacht angepasst

schlafstörungen

schlechtes gewissen

schlafzyklus:
tief, rem, leicht
1 zyklus ca. 90min. ca. 5mal wiederholt


tiefschlaf: niedrige frequenz, hohe amplitude
rem-phase: hohe freauenz, lähmung der muskulatur 

traum ca 5-40min

--
rem schlaf 1955 entdeckt
schnelle augenbewegung
traumschlaf
hirnstamm/pons wichtig für träume 
-> träume auch ohne hirnstamm möglich 
träumen kommen in allen schlafphasen vor.
im rem-schlaf mehr bunte fantasie
non-rem: gedanken, sätze


antidepressivum gegen rem schlaf

antipsychotikum gegen dopamin und träume generell;
l-dopa für träume 

amine für non-rem schlaf
choline fur rem schlaf

rem schlaf
gefühle, affekte
lebhaftes träumen, ohne ordnende kontrolle(

starkes gefühl bedeutet starke prägung im gedächtnis 

gefuhle, gedachtnis: rem-schlaf, emotionales lernen

rem-schlaf: affektverarbeitung, gefühle vom vortag verarbeiten.
assoziztive lockerung, spielerische affektmuster ausprobieren 

aufwachen als protest gegen verarbeitung-> verdrängen

gefühle test?
emotionstest?

gefuhlswiderspruche, gegensätze fuhren zu erwachen und fehlender erinnerung an trauminhalt als verdrangung.bloss affekt bleibt.

4 std schlaf schaffen manche,
dann: viel tiefschlaf, weniger rem


traume:
eeg bei tieren, warmblüter, säugetier, eier legend
warmes blut und grosshirn als bedingung fur traume?

----

Montag, 11. März 2019

Neuzeitlicher Ablasshandel


(Der Mensch hat Angst vor Verurteilung und Ausgrenzung.
Man will nicht sein Gesicht verlieren.
Man will zu den Guten dazu gehören!)

Der sprechende Mann hat nicht nur bedeutsame Worte vor seinem Namen stehen, sondern kann auch gut mit Worten:
"Angela Merkel ist eine Riesen Würgeschlange, weil und denn und weil..."

Fremder:
(Alles lässt sich begründen!
Einfaches Volk liebt einfache Logik.)
"Unbestechliche Logik!
Jetzt verstehe ich auch, dass sie von außen wie ein Mensch aussieht."

Eine Stimme:
(Der Mut zu sprechen schafft die Wahrheit.)
 "Ich verstehe zwar nicht, was er sagt, aber es klingt schlau. Ich bin nur zu blöd, es zu verstehen."


Eine Stimme:
(denkt quer ihre eigene Assoziation bei Riesen Würgeschlange)
 "Angela Anaconda?"

Weitere Stimme:
(eine mutige oder wütende Stimme möchte den Angriff auf die Bedrohung, die Riesen Würgeschlange, anleiten.
Wie beim PowerPoint-Vortrag braucht es Mut, vor anderen anzufangen und möglicherweise verurteilt zu werden.
Brennende Äxte finde ich einfach spektakulär. hehe)
"Auf sie mit Gebrüll! Zündet die Äxte an!"

Feministin:
(Erhobene Gegenstimme, dass Angela Merkel doch keine Schlange wäre)
"Aber sie ist doch eine Frau!"

---

Es gab eine Ausstellung in Mannheim der Künstler-Gruppe WieArt mit dem Titel Hybris über künstliche Intelligenzen, Zukunft, Robotik und Zukunftsvisionen von heute und aus der Geschichte.
Hybris heißt Übermut, dass der Mensch meint zu wissen, was gut oder falsch oder die Wahrheit ist und mit seinem Standpunkt Mitmenschen und Natur überrollt.


Ein bedeutender Satz in der Ausstellung :
"Wer die Sprache beherrscht, beherrscht das Denken!"
            1.         heißt es, dass wer gut reden und argumentieren kann, seine Wahrheit am besten verkauft bekommt. Er kann Denken, Glauben und Handeln der Menschen steuern. Das ist, was ich mir unter Volksverführer vorstelle. Irgendwie das gezielte Ansprechen der inneren Wünsche der Menschen, das Ausnutzen der Empfänglichkeit in bestimmten Situationen.
            2.         heißt es, dass die Programmiersprachen Handlungen beherrschen, die Algorithmen rechnen voraus und schließen aus ihren Eingangssignalen auf neue Signale. Wenn dies und das, dann muss so gehandelt werden. Außerdem verlassen sich Menschen gerne auf die Bequemlichkeit und Übernahme durch Computer und ihre "Verbesserungen". Denn der Mensch ist ja ein Fehler in Person, seit dem Sündenfall? Der Mensch braucht oder will Führung.

Samstag, 9. März 2019

Gedanken zu "Der Prozess", Theater Heidelberg

Gedanken zu der Aufführung
von Franz Kafkas "Der Prozess"
im Marguerre-Saal, Theater Heidelberg 
am 8.03.2019


Einleitung:

Und dann waren wir also durch die Tür ins Theater eingetreten und wir schauten uns um. Wir brachten in Erfahrung, wo die Toiletten sind: nämlich oben. Auch dass meine Tüte kostenlos an der Garderobe abgegeben werden konnte und in welche Richtung es zum Aufführungsort geht.
An der Garderobe musste ich auch in der Pause nicht anstehen und kam schnell an meine Trinkflasche.
Der Saal war gut gefüllt und von schöner Gestaltung. 
Die Bühne war groß und durch herabfahrende Wände in der Tiefe teilbar.
Noch dazu gab es in der Tiefe Bodensegmente, die hoch- und runterfahren konnten.
Die Spielzeit betrug etwa 3 Stunden und wurde mit einer etwa 20-Minuten-Pause nach 60 Minuten unterbrochen.
Die Regie des Stückes hatte jemand übernommen, der zuvor schon die Inszenierung von Houllebecqs Unterwerfung geleitet hatte, so das Internet.


Zum Stück an sich:

Nachdem im Gästebuch, das im Foyer auslag und verhältnismäßig wenig beschrieben wurde, die ersten beiden Kritiken sehr negativ waren, das Stück sei furchtbar gewesen, war mir aufgefallen, dass es das irgendwie auch einfach war.
Ich fand es skurril, verrückt, wahnsinnig, anders, verstörend, wohingegen kafkaesk gar kein Begriff ist. hehe
Gerade durch die skurrilen Figuren, den Medien-Mix(Gesangs- und Tanzeinlagen, Video-, Ton-, und Texteinblendungen), die vielfältige Bühnen- und Requisitennutzung - und dazu noch den Inhalt - animierte das Stück zum Nachdenken, zum Verstehen. Es war durchweg spannend und komplex!
Neben der parallelen Verwebung des Romaninhalts mit unseren Herrschaftssystemen, Hierarchien, der Bürokratie und der Rechtsstaatlichkeit wurde häufig auch der Umgang mit Flüchtlingen thematisiert. 
Ich finde, im Ganzen war das Stück eine Metapher für das Fremde und Seltsame, was Offenheit und Willen zum Verstehen abfordert.
Ich denke, das Stück war ein Bruch mit dem Gewohnten und Normalen und führte mich zum Hinterfragen der eigenen Gewohnheit, des eigenen Glaubens und des eigenen Guten.

Das Stück begann mit einer schrill gekleideten Figur, die ich pink und fellartig in Erinnerung habe, welche von der Decke gelassen wurde.
Dabei verkündete sie speziell betont den Satz "Jemand musste Joseph K. verleumdet haben, denn ohne, dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet."
Passend dazu endete das Stück damit, dass Joseph K.´s weiße Jacke als Geist aufstieg, nachdem er sich erstechen lassen hatte.
Die Türhüterparabel wirkte sehr eindrücklich und dramatisch, auch ungekürzt, wonach des Prozesses und Josephs Ende rasch kam.

Auffällig fand ich, dass Joseph K. von einer Frau gespielt wurde, die Vermieterin Frau Grubach hingegen von einem Mann.
Was die Geschlechter betrifft, wurde da eine Prise Patriarchat eingestreut.
Ich meine, als es um Fräulein Bürstner und ihre Männerbekanntschaften ging, weswegen ihr Frau Grubach kündigen wollte. 
Mit Patriarchat verbinde ich Gewalt, Kontrolle und Herrschaft.
Da gab es also eine Szene, wo der Frau gesagt wurde, sie hätte einen Mann in sich. Und zwar in dem Sinne, dass dieser Teil Mann in ihr vorschreibt, wie sie Frau zu sein hat. Die Frau trage die Erwartungen des Mannes in sich.
Im Grunde passt Kontrolle und Herrschaft zu einigen Bestandteilen des Stücks,  wie auch der übernommene, herrschende Glaube, wie man zu sein oder zu leben hat.

Ich glaube, an zwei Stellen kamen Drohnen vor, zur Überwachung und zur Vernichtung.
Dann gab es eine Szene eines, ich meine aus Gambia, Geflüchteten, der schon länger in Deutschland ist, aber hier verstärkt auf Diskriminierung stößt.
Er war nach dem Islam erzogen worden und bekam Morddrohungen, als er begann den Glauben und die Regeln zu hinterfragen. 
Ich finde es ähnlich wie mit dem Mann in der Frau oder der Schuld Joseph K. 's, dass die äußere Meinung zur eigenen gemacht wird. Die äußeren Befehle werden zum eigenen Glauben, zum Gewohnten, wonach gelebt wird.
Und weil ich eben Drohnen erwähnte, Überwachungssysteme, möchte ich den Begriff der black box nun einbringen, der im Stück öfter fiel und auch zu sehen war.
Einmal stand die black box für das System an sich, was 0 Toleranz bedeute.
Nebenbei tauchten öfter schwarze Kartons mit weißer Schrift auf, die wie auch der Körper eines Schwarzen mit Worten beschrieben waren: Dignity, Stop deportation und ähnliches Ermahnendes.
Apartheid, Abschiebung, das sei alles das Deportations-Thema.
Die black box hat mir mal ein bekannter Informatiker ein wenig beschrieben. Signale kommen rein und werden darin irgendwie verrechnet, dann ausgegeben. Die black box steht für mich für die Entwicklung der künstlichen Intelligenzen, mit deren Hilfe vorausgerechnet, überwacht, kontrolliert und beherrscht werden kann.
Irgendwie erinnert das auch ein wenig an den Rechtsstaat. Dass die black box für 0 Toleranz steht, habe ich mir gemerkt, denn ich kann es für mich verstehen.
Der Rechtsstaat und auch die Informatik kennt keine Toleranz. :)
Gesetz und Vorschrift ist Trumpf!
Wahr oder falsch, 1 oder 0.
Entweder oder. Wenn, dann. Wenn sicheres Herkunftsland, dann Abschiebung. Wenn dies, dann Täter, dann Gefängnis. Es freut mich gerade selber, diese Parallele zwischen Rechtsstaat und Informatik gefunden zu haben: nämlich dass es keine Toleranz gibt, zumindest, was Gesetze, Vorschriften oder ihre Interpretation betrifft..

Joseph K. erfuhr also eines Morgens in seiner Wohnung von seiner Verhaftung. 
Ich meine, er wird nicht mal schuldig genannt und dichtet sich das selbst dazu.
Er wurde verhaftet und glaubt deshalb, er müsse irgendwie Schuld auf sich geladen haben. Und er lebe doch in einem Rechtsstaat, betonte eine extra Stimme, wie könne das angehen? 
Er sei verhaftet, aber solle einfach weiterleben, als wäre nichts gewesen. Ein Scherz hätte das ja nicht gewesen sein können, dafür hätte alles zu umständlich gewirkt. 
Ich finde den gesamten Verlauf heftig, wie Joseph K. sich gedanklich und logisch folgernd immer mehr in seine Schuld reinsteigert und sie am Ende sogar entweder selbst zu glauben oder in der Verteidigung aufzugeben scheint.
Er sei ja völlig überlastet, kriegt er ein paar mal zu hören.
Dabei fühlt er sich am Anfang noch überlegen, als er versucht seine Unschuld mit seiner Geburtsurkunde als Legitimationspapier zu beweisen.
Dazu taucht später explizit die Frage auf:
"Wie kann ein Mensch überhaupt schuldig sein?"
Schuld. Wer ist Schuld an seiner Schuld? Von welcher Instanz geht die Anklage aus? Die Wächter und niemand kann Joseph K. sagen, wer verantwortlich an seiner Schuldzuweisung ist.
Ironisch finde ich die Bestrafung der 2 Wächter, weil Klein K. chen sie verpetzt hat.

Ich glaube, Klein K. chen wird er vom Advokaten(welcher war es doch?) genannt, weil er seine Verantwortung sozusagen an ihn abgibt. Joseph K. ist unselbstständig und abhängig  wie ein Kind von den Menschen, die Einfluss bzw. Macht auf seinen Prozessausgang haben. 
Ob von Maler Titorelli, der wie ein nackter Höhlenmensch mit viel zu viel Kopfhaar aussah und die Richter malt, oder den Advokaten.
Titorelli war lustig-verrückt, wie er mit 3 Farbeimern die 3 möglichen Prozessausgänge, z.B.  Verschleppung, demonstrierte. Dann verschob er die 3 Eimer wie beim Hütchenspiel, als wolle er den armen Joseph noch verrückter machen und erklärte lieb, dass der Prozess nie zu Ende sein würde und bloß in einem niedrigen Stadium gehalten werden könne.
In einer Szene stritten sich die Advokaten um die Führung Klein K.chens.
Einer der Advokaten trug einen bunten Strickanzug und einen blauen Eimer als Hut. Ich meine, dieser Advokat betonte, wie wichtig die 1. Eingabe wäre. Zwar würde sie nicht gelesen werden, aber geduldet werden. Dieses Dulden klingt wieder an den Duldungsstatus von Flüchtlingen an.

(Im Grunde ist unser ganzes System nicht nur patriarchalisch, unterdrückend und kontrollierend, sondern auch paternalistisch bzw. bevormundend, weil es den Menschen feste Lebenswege in Abhängigkeiten vorzeichnet und zeigt, was richtig ist, dass die eigene Erkenntnis nicht nach kommt.
Ach und die Abhängigkeit vom Arbeitgeber und Geld.)

 Die Wächter hatten ihm ja sein Frühstück am Morgen weggegessen. Das heißt, Joseph K. verursachte ihre Bestrafung, was er nach eigener Aussage aber gar nicht beabsichtigte. Er wollte sich nur beschweren, dass sie Schuld an der Frühstücksvernichtung waren, aber keine Strafe. Interessant!
Irgendwann lief ein Charakter auf der Bühne nach links mit den Worten "Heil Hitler". Später ging es um Ignoranz.
Das erinnert mich an die Mitschuld der Schweigenden, der Wegschauenden bei Gewalttaten. Insgesamt in Bezug auf Hitler an Mitläufertum und einfügen in die Masse. 

Zu Flüchtlingen, viel über Videoeinspieler:

In einer Szene erklärte ein Mann, in seinem Land sollte er zwangsverheiratet werden.
So viel zu Recht und Freiheit auch noch in anderen Ländern
In einer nächsten Szene wurde jemand gefragt, was Duldung heißt. "Was bedeutet Duldung?"
In der dramatischsten Szene war einer mit Kamera im Flugzeug und demonstrierte gegen eine Abschiebung. "Ist er denn kein Mensch?", "Stellen Sie sich vor, Sie wären an seiner Stelle." , "Stoppen Sie die Abschiebung!".
Er selbst wurde nur wiederholt aufgefordert, die Kamera abzuschalten.
In einer anderen Szene wurden die Personalien von einem Flüchtling aufgenommen und gefragt, wer der 1. Präsident den Landes war, wahrscheinlich um das Herkunftsland zu verifizieren.
In einer anderen Szene sah es aus, als würden die Theatermacher bei der Arbeit an Requisiten selbst nach Ausweisen gefragt werden. Wer hat ein Recht (hier) zu leben, ist für mich die Frage aus dem allen.
Ein Mann wurde verhört, warum er ohne Arbeitserlaubnis gearbeitet hätte. Warum er seine Unterkunft verlassen hatte, ich meine wegen Kosten.
Auch dass Drogen und Kriminalität nicht der Weg erster Wahl sind, sondern ein Ausweg zum Überleben.
Ich bin nicht sicher, aber vielleicht steht die Bürokratie, Verwaltung mit Anträgen, da im Weg. Ich denke an kompliziertes Beamtendeutsch, Wartezeiten und mögliche Fehler in der Prozesskette.
Irgendwann im Stück meinte einer singend, bei Bürokratie muss er über buerocrazy an Kroatien denken. Was ein netter Gedanke. lol

Spannend fand ich außerdem einen Mann auf der Bühne, der irgendwie bedauerte, er sehe seine Werte und Überzeugungen in der Welt nicht vertreten.
An einer anderen Stelle sprach jemand von freier Entwicklung und von Bildung(Schulen).

Und Joseph K. ist ja eigentlich Prokurist in einer Bank. 
Ein Zusammenhang, warum an einer Stelle ein seltsames Männchen im Anzug auf der Bühne war und öfter Geldscheine um sich warf mit den schnellen Worten "Geld, Geld, Geld, money, money, money, kill, kill, kill". Joseph K. riet er, der solle aufhören zu schlafen. hehe .. Zeit ist Geld, was?
"Hören Sie auf zu schlafen!"
"Geld, Geld, Geld, money, money, money, kill, kill, kill".

"Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht."
Das ist ein Satz, den ich wichtig fand.
Dass das Scheinen mehr zählt als das Sein, wäre meine erste Interpretation.
Im Kampf ums Überleben. Dass die Darstellung mehr zählt als das Selbst.
Der Glaube an Gut und Böse, die Trennung, könnte auch die Lüge sein.  (wo ich an Zarathustra denke, und es auch so sehe. Es kommt tatsächlich auf die Perspektive an: Egozentrisms, Anthropozentrismus, Eurozentrismus)

Bedeutend fand ich das Ende im Stück, keine Ahnung, ob es im Buch auch so war, aber glaube schon.
Während Joseph zum Tod gebracht wird, schaut jemand aus dem Fenster. Und es wird weiter beschrieben. Wer war dieser am Fenster? Oder waren es mehrere? War es ein guter Mensch?
Jetzt im Nachhinein hätten wir das alle als Zuschauer gewesen sein können, die still den Mord geschehen lassen.

Verantwortung?

Im Ganzen sprach das Stück wesentliche Themen der Gesellschaft auf dramatische Art und Weise an.  
Was ist Wahrheit und was Glaube? Was soll ich tun?-> Was ich will oder was ich soll? Wem glaube oder was glaube ich? Ist das Gesetz richtig? Ist die Gewohnheit richtig?



Selbst das Unterdrücken oder Wegschieben von Gefühlen oder Gedanken, lässt sie doch in dem, der sie hat und die Hoffnung, sie wieder auszugraben. ? 



-----------------------------------

Notizen:


islam
gambia

Joseph K
onkel von joseph k
Leni
advokat hasteter
maler titorelli
die wächter
der aufseher

2 die k ermorden

von der kirchenkanzel
fräulein bürstner
frau grubach

flüchtlinge 

duldung
abschiebung
schuld
verantwortung 
ignoranz
toleranz

system 

hierarchie
macht 
gewalt

klein k.chen

black box = 0 toleranz 

überwachung und kontrolle
drohnen, kampfdrohnen

requisiten
leierkasten
treppe
mann, der strickt

als k ermordet wird, die fragen dazu:
war er 


"hören sie auf zu schlafen. money, money, money, kill, kill, kill"


nur einem advokaten folgen

vielfalt
skurril
verstörend
fremd
anders

offenheit
wille zum verständnis 

identitäen

revolution 
rebellion

menschenwürde 
Unterdrückung 
korruption

wahrheit
wirklichkeit
weltbild

Montag, 18. Februar 2019

Sie nennen es Freiheit das Gefühl


Sie nennen es Freiheit das Gefühl

„Komm, Mann! Lauf weiter! Bleibt nicht stehen. Sterben wirst du sonst!“
„Was ist Sterben?“, frage ich mich.
Ich bleibe stehen. Aber ich antworte nicht.
Denn er kann mich nicht verstehen.
Und er ist auch schon weitergelaufen.
Zusammen mit den anderen.
Sie laufen alle in die gleiche Richtung.
„Wo wollen die denn alle hin?“, frage ich mich.
Ich kann keine Antwort kriegen, denn sie müssen laufen.
„Spür deine Freiheit und lauf mit uns!“, schreit einer.
Und schon ist er wieder weg.
Ein paar Gestalten wollen mich mitreißen und schreien wütend:
„Schätze dein Leben! Es ist wertvoll! Wenn du leben willst, lauf mit uns!“
„Was ist Leben?“, frage ich mich.
Ich verteidige mich gegen die Wahnsinnigen, die wahnsinnigen Gleichströmigen.
Ich springe zur Seite und pralle gegen eine Mauer.
„Wie ist das Leben auf der anderen Seite?“, frage ich mich.
Ein Trupp mit Waffen kommt auf mich zu und will mich zum Leben bewegen.
„Schätze den Wert deines Lebens!“, schreien sie alle.
„Was soll wertvoll daran sein, in diese Richtung zu laufen! Warum tut ihr das bloß?!,
schreie ich verzweifelt.
„Aber genau das ist doch der Sinn des Lebens und das Glück, du armer Verwirrter!“, brüllt es von allen Seiten.
Der lange, verschwommene Korrirdor hat sich zu einem breiten Kreis formiert, der mich umzingelt.
„Wir verstehen dich.“, meinen ein paar freundlich.
„Komm mit uns. Es erwarten dich viele Kekse.“
„Ich will keine Kekse!“, denke ich.
„Wenn du in diese Richtung läufst, dann bekommst du alles, was du willst.“
„Ich will nicht haben, was ich will. Ich will nur frei sein und laufen, wohin ich will.“
Eins habe ich verstanden: Wir sind gleichermaßen wahnsinnig. Ich bin nur in der Minderheit.

Sie sagen Leben und meinen Sterben.
Sie sagen ihr Richtiges für mich und nennen es Liebe.
Die Gewohnheit ans Gefängnis nennen sie Freiheit.

Was heißt Mensch? Was Würde? Was Gefühl?

Es ist die Pflicht zu leben, denn das Leben ist einzigartig und wertvoll.
Es ist die Pflicht zu helfen, denn niemand will ein schlechter Mensch sein.
Es ist die Pflicht, sich frei und gut zu fühlen.

Machen wir uns doch bitte nichts vor:
Nichts hat einfach so Wert = Bedeutung = Sinn = Nutzen.

Die Frage ist:  Wert für wen?